Ein Blick hinter die Kulissen der Wasserversorgung

CSU und JU aus Marklkofen und Steinberg besuchten die Wasserversorgung Mittlere Vils in Aham

a6-b009-DSC00017Die CSU Ortsvereine sowie die Junge Union von Marklkofen und Steinberg luden Mitglieder und Bevölkerung zur Besichtigung der Wasserversorgung Mittlere Vils (WMV). Rund drei Dutzend Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über „unser Lebensmittel Nummer Eins“ und seine Gefährdung zu informieren.

a6-b009-DSC00003Der Info-Nachmittag begann mit einem Vortrag von WMV-Werkleiter Diplom-Ingenieur Markus Schmitz im Ahamer Gasthaus Lerchenhof, nachdem der WMV-Vorsitzende und erster Bürgermeister von Marklkofen Peter Eisgruber-Rauscher die Teilnehmer begrüßt hatte – darunter der zweite Bürgermeister von Marklkofen Martin Kieswimmer, der CSU-Vorsitzende von Marklkofen, Georg Horn und sein Steinberger Kollege Walter Tietze sowie der JU-Vorsitzende Raffael Horn und Marklkofens Altbürgermeister Martin Geltinger. Markus Schmitz, der Getränketechnologie und Lebensmitteltechnik studiert hat, hat vor seinem Eintritt bei der Zweckverband WMV Mitte 2014, bei internationalen Konzernen, wie bei Brandt-Schokoladen oder der Krones AG in Neutraubling, weltweite Erfahrungen gesammelt – unter anderem in der Prozesstechnologie und im Qualitätsmanagement: „Was die Qualität angeht, da lasse ich nicht locker. Ganz besonders nicht beim Trinkwasser.“

Sich selbst finanzieren und verantwortungsbewusst mit den Gebühren umgehen

a6-b009-DSC00007Markus Schmitz, der lange Jahre in Steinberg gelebt hat, ist außer für die WMV auch Werkleiter für die Partner-Zweckverbande Wasserversorgung Oberes Kollbachtal (WOK) und seit dem 1. Januar 2016 auch für die Wasserversorgung Rottal (ZWR). Wobei der WMV die Verwaltungsaufgaben für alle drei Verbände übernimmt. Das spart Manpower und damit Kosten, was sich wiederum positiv auf die Gebühren auswirkt. Kommunale Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und daher gehalten, sich kostendeckend selbst, das heißt aus den erhobenen Gebühren zu finanzieren, um die kommunalen Haushalte nicht zusätzlich zu belasten. Dabei arbeiten sie gemeinwohlorientiert und müssen nicht – wie private Wasserversorger – Gewinne erwirtschaften und diese jährlich steigern. Eine Tatsache, die wesentlich der Qualität zu Gute kommt.

„Fakten und Zahlen zur WMV“

Markus Schmitz stellte im Anschluss die WMV in Fakten und Zahlen vor: gegründet 1967, versorgte Einwohner rund 18.000, der jährliche Wasserverkauf bewegt sich derzeit – mit wetterbedingten Schwankungen – um knapp 1 Million Kubikmeter jährlich. Das Wasser wird mittels vier eigenen Brunnen (je 150 l/s) in der Nähe von Aham sowie aus zwei Brunnen (je 70 l/s) in Daibersdorf, die im Verbund mit den Stadtwerken Dingolfing betrieben werden, aus Grundwasser gewonnen. Zur weiteren Erhöhung der Versorgungssicherheit besteht zudem ein Notverbund mit der WOK.

Zur Wasseraufbereitung setzt die WMV keinerlei Chemie ein, sondern nur physikalische Verfahren zur Enteisung (damit das Wasser nicht braun aus der Leitung fließt) und Entmanganung (damit sich keine Ablagerungen bilden, die das Rohrleitungsnetz verstopfen). Gespeichert wird das so aufbereitete Wasser in zwei Erdbehältern – in Birnthal bei Steinberg (zwei Kammern mit je 1.000 Kubikmeter) und in Aham (zwei Kammern mit je 500 Kubikmeter).

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Ansichten Wasserspeicher in Birnthal bei Steinberg

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Ansichten Wasserspeicher in Wimm bei Aham

Über rund 355 Kilometer Hauptversorgungs- und 140 Kilometern Hausanschlussleitungen fließt das Wasser zu den Verbrauchern. Aufgrund der geografischen Höhenunterschiede im Versorgungsgebiet Mittlere Vils sind insgesamt 15 Druckerhöhungsanlagen notwendig. Die Gesamtkosten für den Auf- und Ausbau der Anlage betrugen bisher 30,1 Millionen EUR, wovon 12,5 Millionen EUR über Fördergelder finanziert wurden. Nach fast 50 Jahren hat nun die Phase der technischen Erneuerung begonnen: Leitungen und Anlagen müssen repariert, saniert und vielfach auch komplett ausgetauscht werden, da es teilweise keine Ersatzteile mehr gibt oder durch den technischen Fortschritt auf mittlere und längere Sicht – besonders im Energiebereich – mehr Effizienz erreicht werden kann.

Trinkwasser – Qualität durch Umwelt und Umfeld in Gefahr

Ein weiteres Thema war die Trinkwasser-Qualität, die vielerorts durch zunehmende externe Schadstoffeinträge im Grundwasser gefährdet ist. Grundsätzlich hat auch die WMV mit der allgemeinen Umweltverschmutzung des Grundwassers zu tun. In einer Kurve, die die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, ist erkennbar, dass zum Beispiel seit 2008 die Nitrat- und Antrazin-werte auch im WMV-Versorgungsgebiet ständig steigen. Allerdings liegt die Belastung – bis auf einen Brunnen – bisher noch unterhalb der strengen Grenzwerte, die in der gesetzlichen Trinkwasserverordnung festgelegt sind. Der betroffene Brunnen 4 in Holzen bei Aham wurde inzwischen stillgelegt. Im Mai 2015 begannen in einem nahegelegenen Waldgebiet die Versuchsbohrungen für einen Ersatzbrunnen, die „zum Glück sehr erfolgreich waren“, so dass 2016 mit den Bohrungen für einen neuen Brunnen begonnen werden kann.

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Bohrungen Versuchsbrunnen in Holzen

Markus Schmitz: „Wasser hat ein langes Gedächtnis. Wir haben es heute mit Auswirkungen zu tun, deren Ursprung teilweise 20, 30 Jahre zurückliegt. Allerdings bringen uns Schuldzuweisungen hier nicht weiter, da die Landwirte damals nicht wussten, welchen Schaden bestimmte Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf Dauer anrichten würden.“ Um auf Basis der heutigen Erkenntnisse weitere Schäden zu verhindern, „ist es sinnvoller, mit den Landwirten gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“

d4-1-0-xart-14489844Fest steht jedoch, dass die Beeinträchtigung der Wasserqualität durch Umwelt- und Umfeldeinflüsse zu den großen Herausforderungen für die Zukunft in der Wasserversorgung gehört. Sowohl der hohe Nitratgehalt wie auch Pflanzenschutz- und Arzneimittelrückstände oder die Folgen des Klimawandels müssen aktiv bekämpft werden, was zusätzliche finanzielle Mittel erfordert, die die Wasserversorgungsunternehmen über Gebühren finanzieren müssen.

Herausforderungen und Aufgaben für die Zukunft

„Die Erneuerung der Infrastruktur und die Sicherung der Trinkwasserqualität sind die beiden großen Faktoren, in die es künftig zu investieren gilt“, so Markus Schmitz. Mit der Gebührenerhöhung ab 1. Januar 2016 wurde aktuell die Finanzierung folgender Projekte mit einem Volumen von rund 1,8 Millionen EUR gesichert: der neue Brunnen in Holzen, die Sanierung des Birnthaler Behälters, die energetische Modernisierung – seit August 2015 ist die Wasserversorgung Mittlere Vils DIN EN ISO 50001 zertifiziert – die Sanierung des Hochbehälters in Wimm sowie laufende Erneuerungen im Rohrnetz. Im Anschluss an die rege Diskussion konnten sich die Besucher dann im Ahamer Maschinenhaus der Wasserversorgung Mittlere Vils einen eigenen Eindruck von der Technik gewinnen, wobei Wassermeister André Gebauer für Details Rede und Antwort stand.

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Besucher im Maschinenhaus in Aham

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