Beginn der neuen Brunnen-Bohrung in Holzen

Die Wasserversorgung Mittlere Vils investiert in die Zukunft

a6-b012-DSC00011Die Wasserversorgung Mittlere Vils (WMV), Aham, startete am 14. März mit ihrem wichtigsten Projekt des Jahres – der Bohrung des neuen Brunnens im Waldgebiet Holzen bei Aham. Vorausgegangen war 2015 eine Reihe von Versuchsbohrungen für einen neuen Brunnen, nachdem der bisherige Brunnen IV aufgrund zu hoher Pflanzenschutzwerte vorsorglich stillgelegt wurde. Nach Setzung des Brunnenpunkts wurde nun mit der Bohrung begonnen.

Am 14. März wurde der Brunnenpunkt gesetzt und mit der Bohrung begonnen

Nachdem die Labor-Abschlussberichte über die Probebohrungen ein durchweg positives Ergebnis ergeben hatten, konnte am 14. März mit der Bohrung für den neuen Brunnen begonnen werden. Am 23. März überzeugten sich der erste und zweite Vorsitzende des Zweckverbands, Peter Eisgruber-Rauscher und Gerald Rost, zusammen mit WMV-Werkleiter Markus Schmitz von den ersten Fortschritten des Bohrprojekts. Bereits im Vorfeld hatte die Firma Salzberger Transporte GmbH aus Marklkofen zusammen mit der Kiesgrube Thöne aus Engkofen in der vergangenen Woche die notwendigen Erdarbeiten für die neue Bohrstelle durchgeführt und für die Bohrarbeiten der Firma Ochs, Brunnenbau-Spezialist aus Nürnberg, vorbereitet.

a6-b012-DSC00008WMV-Vorstand und erster Bürgermeister von Marklkofen, Peter-Eisgruber-Rauscher und sein Stellvertreter Gerald Rost, erster Bürgermeister von Gottfrieding, zeigten sich mit dem erfolgreichen Verlauf der Suche nach einem neuen Brunnen äußerst zufrieden: „Es ist einfach wichtig, dass wir wieder einen leistungsfähigen und qualitativ einwandfreien Brunnen als Ersatz für Brunnen IV haben, um auch künftig jederzeit die Versorgungssicherheit der Bürger zu gewährleisten.“

Der neue Brunnen wird in zwei Bohrphasen abgeteuft

Diplom-Ingenieur Markus Schmitz, Spezialist für Getränketechnologie und Lebens­mittel­technik: „Leider haben auch wir mit externen Einträgen zu kämpfen, aber mit dem neuen Brunnen haben wir wirklich Glück gehabt. Dadurch, dass die Bohrstelle in einem Waldgebiet liegt, ist sie stärker vor Schadstoffeinträgen geschützt als der alte Brunnen. Da die Einträge ins Grundwasser in der Regel die oberflächennahen Schichten betreffen, werden die oberen Schichten weggesperrt – damit stimmt es mit der Qualität wieder. Die Versuchswerte waren jedenfalls sehr erfreulich.“

Bei der Brunnenbohrung kommen zwei unterschiedliche Verfahren zum Einsatz: Bis circa 48 Meter werden Bohrrohre, sogenannte Vorrohre, mit 1200 Millimeter Durchmesser und undurchlässigen Wänden per Greifer-Bohrung mit einem Bagger in den Boden bis zur avisierten Tonschicht getrieben. Dabei werden alle Meter Bodenproben gezogen. Dieser Vorgang dauert circa zwei bis drei Wochen. Zwischen 46 und 49 Metern ist ein Ingenieur vom Planungsbüro auf der Baustelle zugegen – in diesem Fall vom Ingenieurbüro Ulrich Hafen in München – der auf Basis der gezogenen Bodenproben das O.K. gibt, in welcher Tiefe die Sperrrohre eingebracht werden müssen (s.a. Boden-/Gesteinsanalyse >>>).

Greifbohr-Verfahren
Spülbohr-Verfahren

Nach Einbringung der Sperrohre für die hermetische Absperrung der oberen Grund­wasser­schichten beginnt dann die zweite Phase im sogenannten Spülbohrverfahren: Der Bagger wird gegen eine Bohranlage ausgetauscht und mit einem Bohrmeißel (Durch­messer 700 Millimeter) wird nun bis knapp 100 Meter Tiefe abgebohrt beziehungsweise abgeteuft, wie es in der Fachsprache heißt. Danach wird der Brunnen gemäß modernster und nachhaltiger Brunnentechnologie ausgebaut – mit 400 Millimeter starken Rohren aus Edelstahl-Wickeldraht und Glaskugelschüttung, um auch auf längere Sicht einen absoluten Wasserzufluss zu gewährleisten.

Zur langfristigen Trinkwasserqualitätssicherung des neuen Brunnens hat die WMV das Vorhaben frühzeitig mit den Anrainer diskutiert und ist weiterhin in beständigem Dialog mit der Landwirtschaft.

Kommunale Wasserversorger müssen notwendige Investitionen selbst finanzieren

Der Brunnen-Neubau in Holzen gehört zu jenen Investitionen, die aufgrund steigender externer Schadstoffeinträge sozusagen „außer der Reihe“ zu Buche schlagen. Da kommunale Wasserversorgungsunternehmen gehalten sind, sich kostendeckend selbst zu finanzieren, um die Haushalte der Kommunen nicht zusätzlich zu belasten, müssen alle notwendigen Investitionen über Gebühren finanziert werden.

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v.l.n.r.: Markus Schmitz, Peter Eisgruber-Rauscher, Gerald Rost bei der Planung notwendiger Investitionen

Der Vorteil von kommunalen Wasserversorgungsunternehmen: Sie sind dem Gemeinwohl und dem Nachhaltigkeitsprinzip verpflichtet und müssen keinerlei Profite für Eigner und Aktionäre erwirtschaften, wie dies bei privatgeführten Wasserversorgern der Fall ist. Weitere Investitionsfelder sind Modernisierung und Sanierung der vorhandenen Anlagen, da nach Jahren des Auf- und Ausbaus mittlerweile deren natürlicher Investitionszyklus von rund 50 Jahren zu Ende geht.

Peter Eisgruber-Rauscher: „Vieles wurde weitsichtig, fast für die Ewigkeit gebaut, doch es gibt mittlerweile neue Anforderungen, beispielsweise vom Gesetzgeber, sowie technische Neuerungen. Letztere helfen auf Dauer die Kosten zu reduzieren.“ Investitionsplanungen bei Wasserversorgungsunternehmen – ob kurz-, mittel- oder langfristig – sind immer Zukunftsinvestitionen, um die Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend sauberem Trinkwasser jederzeit sicherzustellen.

Weitere Investitionsprojekte der WMV sind die Sanierung des Hochbehälters in Birnthal bei Steinberg, wo die Behälter unter anderem nach neuestem Lebensmittelstandard mit absolut hygienischem und wartungsarmem Edelstahl ausgekleidet werden sollen.

Kostensparende Strategie: verstärkt eigene Ressourcen nutzen

a6-b012-7938701_xxlIn der Gesamt-Investitionssumme von rund 1,7 Millionen EUR, die durch die letzte Gebührenerhöhung am 1. Januar 2016 abgedeckt ist. Markus Schmitz: „Um die Kosten niedrig zu halten, setzen wir bei Sanierungen und Modernisierungen in Zukunft verstärkt auf Ressourcen aus dem eigenen Haus. Da wir mit der Wasserversorgung Oberes Kollbachtal und der Wasserversorgung Rottal im Verbund arbeiten, können wir hier sehr gut Synergien nutzen.“

Rainer Obermeier, seit 1. Januar 2016 technischer Betriebsleiter und stellvertretender Werkleiter der WMV: „Die eigenen Leute kennen die eigene Infrastruktur einfach am besten. Mit unserem internen Know-how sind wir in der Lage, Aufgaben zu übernehmen – wie Planung der Infrastruktur bei neuen Erschließungs- und Sanierungsangeboten, Festlegung von Rohrdimensionen oder Durchführung von Ausschreibungsverfahren etc.“

Mit dieser Strategie gewährleistet die WMV auch in Zukunft eine leistungsfähige Trinkwasserversorgung, die zur Basis einer leistungsfähigen Region gehört, ohne die Kosten aus dem Auge zu verlieren.

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